Über die Mutmaßung

Der Abenteurer, der sich zu früh ins Schiff setzt, vergisst zu leicht die
Seekarte, auf der die mutmaßlichen Ziele verzeichnet sind; wer
dementsprechend den Stift zu früh in die Hand nimmt, oder gar zu früh
mit dem Schreiben beginnt, verliert seine gewünschten Botschaften und
würzt seine Texte mit zu viel Willkür.

Wie? - Wie? - Wie?, fragt sich der herangehende Philosoph unseres
derzeitigen Technologiezeitalters, soll ich die Grundzüge einer
heranwachsenden Philosophie erschaffen, wenn sämtliche Kommunikation mit
anderen Menschen immer mehr, eben durch die Technologie, zum Stummeln
und Stammeln Wort-ähnlicher Laute des Ausdrucks ihrer Leidenschaften,
Lüste und Laster, - und zum Nachahmen archetypischer Gebärden, pervertiert
ist.

Wo? - Wo? - Wo?, finde ich noch Akzeptanz - und viel wichtiger, Kritik
an meiner neuen, heranwachsenden Philosophie, wenn sogar dem besten
Freunde die Ohren, und die Zeit fehlt, sich mit dem Konzepten zu
befassen? - fragt der herangehende Philosoph unseres
Technologie-Zeitalters.

Woher? - Woher? - Woher?, kommt mein Wille zur Wahrheit, die dort Ansatzweise·
als Keim, als Sprössling auf dem Feld meiner Seele emporwächst, fragt sich der
herangehende Philosoph unseres Technologiezeitalters - liegt es an der
Erkenntnis, wie stumpf und flach und steril die Technologie den
Kollektivgeist des Volkes gemacht hat? die mich erkennen lassen hat, wie
Töricht doch das Schicksal der Herde ist?

Aber! - Aber! - Aber!, wenn ich darauf nicht zu antworten weiß, und erst
Recht niemand anderes, wie soll ich da aus mir herauskommen und ein
Konzept über eine Philosophie der Zukunft machen, die nicht die pure
Mutmaßung als Basis hat? die Antwort hat nichts Technologisches in sich,
soviel ist Gewiss.

Kritik! - Kritik! - Kritik!, ist es, worauf sich der herangehende
Philosoph unseres derzeitigen Technologiezeitalters besinnt; den
Besser-Wisser spielend, aber ohne Besser zu wissen,
denn wie sollte ihm das besser-Wissen aus dem Nichts zufliegen, wie soll
er die Grundlage des Besser-Wissens ergründen, wenn er keine Wahrheiten
findet, die ihm dabei helfen und bestätigen?

All dieses sind Fragen der Philosophie, die so uralt klingen mögen, aber moderner sind, als sämtliche Philosophien. Die Philosophie ist ja noch
nicht jugendlich - noch nichtmals Kind - ja gerade erst ein Fötus; sie hat
noch an nichts die Schuld, weil sie noch nie als Fundament dort stand.
Dieses Experiment wird wohl erst noch unternomen werden müssen.
Philosophie wird so experimentell wie nie zuvor werden, in diesem
Technologie-Zeitalter.

Kommentare:

  1. Der letzte Abschnitt über die Philosophie im Technologie- Zeitalter ist ja schon recht gewagt.
    Willst du damit sagen, daß alle schon bestehenden philosophischen Denkrichtungen von der Antike bis zur Moderne unvollkommen,teilweise gar keine richtige Philosophie waren bzw. nun überholt oder ungültig?
    Hört sich ein wenig so an.

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  2. ja; das ist richtig, das sage ich aus.

    Es war schon philosophie - allerdings ist philosophie immer nur so philosophisch wie die Epoche es gerade zulässt.
    - und das begründet mein neuer Text der da heisst

    "Affekte des menschlichen Geistes bei der Verarbeitung menschlicher Sachverhalte"

    Philosophie ist zum überholen gemacht; immer wieder von neuen denn es gibt keine vereinte Wahrheit, sondern immer nur Annäherungen - mutmaßliche Annäherungen.

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