Ergänzend zu meiner
Kurztabelle über die Unterschiede zwischen dem Angelsächsischem und dem Kontinentaleuropäischen Kapitalismus findet sich in Richard Sennetts
der flexible Mensch eine ähnliche Perspektive. Im Kapitel "Flexibility" beschreibt er
*1, wie es ein
angloamerikanisches und ein
rheinisches Modell gibt. Das rheinische Modell sei das klassischerweise durch Holland, Deutschland und Frankreich*
2 praktizierte, in dem die Gewerkschaft und das Konzernmanagement die finanzielle Macht teilen, während der Wohlfahrts/Sozial-Staat ein enges Netz von Rentenverfügbarkeit, Bildung, Gesundheitsversorgung, Versicherung, usw. produziert.
Das anglo-amerikanische Modell sei der Inbegriff des ungeregelten Marktes, die völlig ungezügelte Form der freien Marktwirtschaft. Soziale Verpflichtungen werden im rheinischen Modell zur Aufgabe des Staates, der Kommune und des Gemeinwesens, während diese Ziele im angloamerikansichen Modell der Wirtschaft untergeordnet sind.
Die Staaten des Rheinmodells bremsen im allgemeinem Veränderungen, bei denen ihre schwächeren Bürger Nachteile erleiden, während das angloamerikanische Modell sämtlichen wirtschaftlichen Organisationen freie Fahrt erteilt.
Es ist diese dem rheinländischem Modell anliegende Bremse, welche verhindert, daß gesellschaftliche Zustände wie in Amerika hier zu lande herrschen. Der Import des durchwegs neoliberalen Gesellschaftskonzeptes wird zwar schrittweise durchgeführt, ich nenne die ständigen Privatisierungswellen, die Riesterrente und die Hochschulreform als Beispiel; das traditionelle soziale Netz der strengeuropäischen Staaten hinderten diese Importe in den letzten Jahren aber immer wieder, aufzublühen.
Erst unsere neue, seit Ende 2008 in die Öffentlichkeit projizierte langjährige Rezession wird es schaffen, die letzten Hürden des rheinländischen Kapitalismus aufzulösen und echte neoliberale Zustände hinauf zu beschwören.
Erst unter dieser Legitimation kann die gegenseitige Unterstützung der liberalen Wirtschaft und des Staates, in diesem Fall durch die Verstaatlichung insolventer Banken so erfolgreich und protestlos durchgeführt werden.
Zu diesem bewundernswerten stoischen Gleichmut der Bevölkerung hat auch die Gewöhnung an den nächstjährigen Status Quo beigetragen, gar nicht zu sprechen vom nahezu perfekten Medienmonopol.
Zu dieser festgefahrenen gesellschaftlichen Situation gibt es viele Alternativen; doch während diese große gesellschaftliche Umbruchsphase zu ihrem Endspurt kommt sollten diese eigentlich eine Konjunktur haben. Diese Konjunktur bleibt aus, und ich sehe keine andere Möglichkeit, als dass dieser Endspurt so stattfinden wird, wie es die letzte, vergleichbare Rezession geschafft hat.
Sie endete mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges.
*1 Dieses Modell nimmt er von Michel Albert, einem französischem Wirtschaftsmodelltheoretiker.
*2 Dieses Modell ist auch in Italien, Japan, Skandinavien und Isreal übernommen worden.
*3 Dieses Monopol wird momentan durch die Internet-Zensur weiter perfektioniert.