Ist die Welt ein Schlachtfeld oder ein Kindergarten?

Das, was der Mensch, der das Leben als ästhetisches Phänomen erkannt hat, im wesentlichen in seine Ethik einbauen wird, ist es, das Leben weder zu bejahen, noch zu verneinen, sondern es eben gerade so hinzunehmen, wie es ist, vollkommen ohne Bewertung, von der Schopenhauer meint, sie wäre zwingend notwendig. Sein in Erscheinung tretener Wille, um in der schopenhauerischen Sprache zu bleiben, wird nun also genau so hingenommen, wie er sich nunmal äussert; es gibt hier keine Bewertung wie Gut, Schlecht, Böse, oder Bejahung und Verneinung. Ich denke, dieser Mensch wird ein Immoralist sein; jemand der die Moral nur als Verfälschung des Wesens des Menschen bewertet.

Es ist nun an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie man es, anstatt mit zwingender Moral, schafft, Menschen mit ihrer barbarischen und triebhaften Natur zu bändigen. Halten wir zunächst fest, das sämtliche Zähmungsmethoden, die unsere aktuelle Kultur zu bieten hat, zwanghaft sind. Strafe und Tadel, und der Effekt der Abschreckung sind Mechanismen, die genutzt werden. Eventuell eintretene Vernunft, das bedeutet also wirkliche tatsächliche Reflexion, wieso diese oder jene Tat nicht zu Tun ist, folgt vielleicht - abhängig von der Geistesleistung des gestraften Individuums, oder auch nicht.

Ansätze, ein Individuum über den wahren Grund der Strafe in einem bestimmten Fall aufzuklären, werden vielleicht privat von den Eltern im Kindesalter durchgezogen; institutionalisiert ist es jedoch nicht einmal. Menschliche Natur und dessen destruktiven Elemente sind nun einmal gegeben, wie es physikalische Gesetze ebenfalls sind, und es wäre ein zum scheitern verurteiltes Unternehmen, diese Probleme an der Wurzel zu bekämpfen.

Bejaht man jedoch den Willen zum Leben, nun, so findet man sich, kulturell gesehen, wieder in der Zeit des wilden Menschens; dies kann nicht wirklich ein Fortschritt sein.

Wie steht es nun also mit einer Überwindung des Menschens?

Kommentare:

  1. Weil der Mensch nun als Mensch geboren wird, hat er zuallererst garkeinen Anlass dazu sich selbst zu überwinden (und somit zu vernichten) sondern sich selbst zu stärken und sich fortzupflanzen und sich zu bejahen. Die Überwindung des Menschen ist nur für diejenigen Menschen notwendig, die mehr als ein Ja-Wort zu vergeben haben. Aus dieser Menschen Not entspringt gesellend dazu auch der Wille um sich zu überwinden.

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  2. Die "Überwindung" des Menschen ist zunächst einmal ein säkularisiertes Ersatzgebilde göttlicher Vorsehung, das sich basal auf selektiv-befürwortete Wesensmerkmale, deren Normierung und Stärkung stützt.
    In diesem Zuge geraten Facetten der menschlichen Natur in den Hintergrund, in den Abgrund oder in den Niedergang. Eine "Überwindung" ist demnach immer auch eine Leugnung Unerwünschtem, daher eine moral-verwandte Stoßrichtung (siehe erster Absatz). Dein Fortschrittsbegriff ist ebenso eingefärbt.Bedenke auch, dass die "Zeit des wilden Menschen" bzw. deren Wiederkehr, im Grunde nur ein Abreißen sublimierender Etikette wäre - ein "Fortschritt" in Richtung Selbstakzeptanz.
    Eine Überwindung wie du sie dir vorstellst, ist ein Privileg und Projekt von latenten Philantropen die über Brachialgewalt ebenso den Kopf schütteln wie über das durch Handygedröhne vermittelte Balzverhalten intellektuell-verwahrloster 15-jähriger.

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  3. Auch wenn der Text hier schon länger steht, ich will ihn dennoch mal kommentieren.
    Also das Leben hinzunehmen wie es ist, käme für mich überhaupt nicht in frage, würde ja auch jeder Unterdrückung, Fremdherrschaft und dem Kapitalismus recht sein, diese Einstellung. Aber irgendwie meinst du ja auch den eigenen Willen hinzunehmen so wie er ist, wenn ich das richtig verstehe. Das ist ja nichts anders als was ich tue: Wünsche und "Triebe" so anzunehmen wie sie mein Ich und mein Körper signalisieren, ungehemmt durch Moral, die eh in jedem Fall etwas Fremdes ist, welches die eigene Persönlichkeit reglementieren und beschneiden soll.
    Zu dem Rest kann ich nur sagen, eine Gesellschaft, die dem Menschen alles zu einem guten und würdigen Leben bietet, wäre in keinem Fall barbarisch. Einen eigentlichen Trieb zu übermäßiger Gewalt oder Mord hat der Mensch nicht. Die einzige Gesellschaftsform die dem Menschen eine freies und erfülltes Leben bietet, ist der Sozialismus (auch wenn das keiner so wirklich wahrhaben will).
    Die größten gegen ihre Mitmenschen gerichteten Verbrechen, geschahen immer in sehr konservativen und reaktionären Millieus; es sind die unterdrückten, explosionsartig ausbrechenden "Triebe", die dann auf destruktive Weise ausgelebt werden.
    Da der Mensch aufgrund seiner inzwischen erreichten geistigen Entwicklung seine Evolution selbst in die Hand nehmen kann sollte er dies auch tun, nachdem er sich von jeglicher Moral und seinem Über-Ich befreit hat (ist eh irgednwie identisch). Das wird dann in jedem Fall größtenteils eine kulturelle Evolution sein, die aber sicher zu einem neuen Menschentum führt, was dann sicherlich einer Überwindung des Menschen so wie wir ihn bisher kannten führen wird.
    Die Umsetzung dessen liegt aber in der heutigen Zeit in unendlich weiter Ferne...

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