Meine soziologische Desertation und der Rückschlag

Wie auch einige meiner früheren Blogeinträge vor einigen Jahren trotz ihrer kindlichen Unreife schon deutlich gezeigt haben, war ich ständig eine Person, die eine in unseren heutigen Gesellschaftsverhältnissen sehr kostbare, wertvolle und seltene Eigenschaft mit großem Interesse verfolgte. Die Überzeugung, es versuchen zu müssen, in meinem Leben so viel wie möglich Freiheit einzubinden, hat mich schnell und früh an die Grenze der sozialen Leiter gedrückt, und mich dann unmittelbar nach dem Absolvieren des Pflichtprogramms auch zum vollständigen Ausstieg befähigt. Unter der unbewussten Reflexion und der Befürwortung dieses Zustandes entwickelte sich mein nun redlicher Charakter langsam heraus. Nach dem Absitzen der gesetzlichen Schulpflicht und dem absolvieren der militärischen Dienstzeit, bei der mich das Schicksal zum Glück noch nicht zur formalen Desertation, sondern noch zum Zivildienst geleitet hatte, konkretisierte ich meinen Versuch des freiheitlichen Lebens in Form einer ersten, halbjährigen Reise durch Deutschland.

Diese erste Reise war, wie meine damaligen Aussagen auch stets bestätigten, nur ein Eigennutz und diente hauptsächlich der „Selbstfindung“. Keime von Gedanken gemeinschaftlicher, alternativer Lebensstile erstickten meist sofort, weil der Status der völligen Erfüllung meines Lebens zu dieser Zeit keinen kritischen Denkstil ermöglichte.

Nach dem inhaltlich völlig erfolgreichen, materiell etwas misslungenen Ende der Reise (mein nicht gerade wertloser Anhänger mit Inhalt wurde ja kurz vor dem Ziel noch gestohlen) führte ich einen Sommer lang ein Doppelleben. Formal ordentlich als Arbeitnehmer tätig, häufte ich in einem für Vollzeitarbeitsverhältnisse maximal möglichen freiheitlichem Lebensstil Ersparnisse, die mich zusammen mit meiner auf der Deutschlandreise kennengelernten Lebensabschnittsgefährtin absichern sollte, während wir beide mit dem Fahrrad durch Europa reisen würden.

Den Winter genossen wir unsere nun nahezu völlige Freiheit und Unabhängigkeit in Paris. Irgendwann am Anfang Februar holte eine immense Flut von sozialen, menschlichen Verpflichtungen uns schlagartig zurück in die Ketten der gesellschaftlichen Verpflichtungen. Elli wurde Schwanger, und nun erwarten wir zurück in ihrer Heimatstadt Leipzig die Gründung unserer Familie.

Aus dieser Sache habe ich eine Lehre gezogen: Für meine damalige Lebenssituation habe ich das beste gemacht, was ich hätte mache können. Das Leben alternativer Gesellschaftsmodelle funktioniert ganz generell nur mithilfe zweier Möglichkeiten: die Unabhängigkeit von dem System durch Integration und Fülle an Macht (Kaufkraft) oder der Flucht aus dem System. Da ich keine reiche Herkunft hatte, entschied ich mich richtig für die Flucht.

Die neue Verpflichtung, die sich mir aber nun stellt, ist unüberwindbar, und stellt mir nun völlig neue Lebensaufgaben. Die Komplexität meines neuen Lebensentwurfes kommt nun daher, dass ich mich in einem Spagat übe, der die Abneigung gegenüber bestehenden Strukturen so hinwegkaschiert, dass das Leben mit dem mir unmittelbar in dieser Systematik gegebenem möglich wird. Mit stoischem Gleichmut trotze ich der gesellschaftlichen Integration weiterhin, und gebe mich passiv. Meine Freiheit beschränkt sich nun auf die Verwendung der letzten geistigen Möglichkeiten, die mir praktisch übrig geblieben sind. Die theoretische Beschäftigung mit alternativen Lebensstilen von den Sozialutopien Charles Fourier's, über die Silvio Gesellsche Wirtschaftsordnung bis zu den jüngsten High-Tech Utopien der Zeitgeistbewegung wird mein faktischer Lebensentwurf in dieser Hinsicht sein, und dem theoretischen Wunsch ständig weit entfernt bleiben.


Vorallem ist mir klar geworden, dass das Vagabundieren wahrscheinlich zu einfach gewesen wäre, und ich bin froh, dass das Schicksal mich zurück geholt hat.

Antwort an Richard Stallman

Richard Stallman hat sich kürzlich zur Zeitgeist-Bewegung geäussert. Da ich die englische Sprache nur unzureichend beherrsche, werde ich nun den Original-Text posten, ihn Übersetzen, auf Deutsch auf den Text Antworten und versuchen, meine Antwort ins Englische zu übersetzen.



Hier das Original:

I recently read the statement of principles of the Zeitgeist Movement.

The first half, which criticizes the current economic system, seems to be valid more or less (there are points I don't know enough to be certain of). However, the recommendations in the second half seem to have basic flaws.

It proposes that we should entrust a computer system to decide how much to make of every sort of product. Given a well-formulated problem, with a choice between a limited set of products, and a clear idea of what they are useful for and who wants what, it might be feasible for a program to calculate an optimal solution. But real life is far more complicated than that. It might be feasible to calculate how much resources to put into "growing chocolate", but how could any centralized system decide how much to produce of the thousands of different kinds of chocolate candies, chocolate pastries, chocolate puddings. Each person might like one of these more than another because of subtle differences in taste and texture, which that person would be hard put to describe.

The article also points out that societies can change values. That is true, but we don't know how to predict how they will change, let alone how to change them to order. Meanwhile, there are tremendous actual differences in values. Some value systems, such as the ones that motivate "honor killings", deserve to be morally condemned and rejected. But there are many other variations in values within the bounds of decency.

Also, I saw no solution for dealing with one aspect of human nature: the tendency to compete to for the admiration or envy of the neighbors. This drives competitive consumption, which is a major cause of waste. Wise people opt out of this, but if we want to lead everyone to opt out, I don't think exhortations to wisdom will suffice. We would need a method that works. I don't know of one, but I don't see that the Zeitgeist Movement does either.

copyright (c) 2009 Richard Stallman
Verbatim copying and redistribution of this entire page are permitted provided this notice is preserved.


Übersetzung des Originals/Translation of the Original:

Kürzlich habe ich die Äusserungen zum Prinzip der Zeitgeist-Bewegung gelesen.

Die erste Hälfte, die das geltende Ökonomische System kritisiert, scheint mehr oder weniger korrekt zu sein (es gibt aber Punkte, mit denen ich mich nicht auskenne). Allerdings scheinen die Vorschläge in der zweiten Hälfte einige grundlegende Fehler zu beinhalten.

Der Text schlägt vor, dass wir einem Computersystem die Entscheidung überlassen sollten, wie viele Sorten eines Produktes produziert werden sollte. Sofern eine klar und deutlich formuliertes Problem vorhanden ist, das eine Anzahl an möglichen Produkten bietet, von denen wir eine Vorstellung haben, wie es aussieht, sollte es für den Computer möglich sein, eine optimale Lösung zu berechnen. Aber das wahre Leben ist weitaus komplizierter als dies. Es mag zwar möglich sein, auszurechnen, wie viele Rohstoffe wir in einer „werdenden Schokolade“ benötigen, aber wie soll ein zentralisiertes System entscheiden, wie viele von den tausenden verschiedenen Arten an Schokoladenriegeln, Schokoladenpasten, Schokoladenpuddings hergestellt werden sollen. Einige Personen mögen wegen des unterschiedlichen Geschmacks oder der Textur auf dem Schokoladenriegel die eine Sorte lieber als die andere, und es wäre schwierig für die Person, dies dem Computersystem zu beschreiben.

Der Artikel macht weiterhin klar, das Gesellschaften Werte verändern können. Das ist prinzipiell richtig, aber wir können nicht vorhersagen, wie diese Werte sich verändern, geschweige denn wie wir die Werte sortieren, denn es gibt momentan immense Unterschiede in den vorhandenen Werten. Einige Wertsysteme, so wie solche, die „Morde belohnen“, verdienen es, moralisch verworfen und ungültig erklärt zu werden. Aber es gibt viele andere Variationen von Wertvorstellungen, die man als anständig bezeichnen könnte.

Als nächstes habe ich keine Lösung für folgenden Aspekt der menschlichen Natur gefunden: die Tendenz, für die Bewunderung oder den Neid des Nächsten zu streben. Dies ist dasjenige, das kompetetiven Konsum anstachelt, und eine der Hauptursache für die Vermüllung ist. Weise Leute können sich dem widersetzen, aber wenn wir jede Person dazu verleiten wollen, sich dem zu übersetzen, befürchte ich, dass wir mehr benötigen, als Aufrufe zur Weisheit. Wir würden eine Methode benötigen, die funktioniert. Ich kenne keine, aber ich glaube, die Zeitgeist-Bewegung auch nicht.

Meine Antwort/German Answer:

Ich stimme zu, dass es aus dem heutigem kulturellen Blickwinkel seltsam erscheint, die Versorgung mit Dingen, die wir uns als Menschen wünschen oder benötigen, einem vollautomatischem, technischem Computersystem zu überlassen. Auch bezweifle ich, dass es jemals eine Gesellschaft geben wird, die dieses globale, zentralisierte Computersystem erschafft, und nach ihren Wünschen formt. Deine Kritik der Möglichkeit, ein solches System zu schaffen, stimme ich allerdings nicht zu. Nach heutigen Maßstäben ist es das Marktprinzip des Angebots und der Nachfrage, dass die Flut an verschiedenen Schokoladenriegelsorten produziert; es wäre genau so gut möglich, diesen Marktmechanismus mit einer globalen Datenbank zu ersetzen, bei der jeder Mensch, der ja dann das Grundrecht für den Internetzugang hat, seinen Schokoladenriegelsorten-Wunsch auf einer Internetseite äussert. Diese Daten werden statistisch ausgewertet, und abhängig vom aktuellen Bedarf, der Saison und dem Gemüt der Menschen übt die Maschine die Herstellung der Riegel aus den Rohstoffen aus. Es wäre technisch möglich, die Auswertung jeden Tag vollautomatisch ablaufen zu lassen.

Weiterhin scheinst du den Text nicht besonders ausgiebig gelesen zu haben. Die wissenschaftliche Hypothese, dass es ein menschliches Wesen gibt, das genetisch oder zufällig dem Menschen innewohnt, ist ein Mythos und nicht zu halten. Es ist die Umgebung, in der ein Mensch aufwächst, die zum größten Teil dafür verantwortlich ist, wie der Mensch sich verhält. Der Anteil an angeborenen Instinkten, die zur Gewalt oder Raub führen, wären in einer von der Zeitgeistbewegung erträumten sozialen Umgebung völlig zu vernachlässigen, da es kein Eigentum gibt, dass man einer anderen Person entledigen könnte. Und das bringt uns zu deiner These, dass der Mensch das Verlangen danach habe, mit anderen Personen zu konkurrieren. Es gibt Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Spiel oder den Sport, wo solche Konkurrenz erwünscht ist. Leider zwingt uns das aktuelle Ökonomische Geldsystem dazu, uns auch in Lebenswichtigen Fragen dem kompetetiven Handeln zu beugen. Und um die Vernichtung eben dieser veralteten, unzeitgemäßen und peinlichen Institution geht es ja der Zeitgeist-Bewegung eben.

Es sind eben nicht nur weise Menschen, die in der Lage sind, sich dem Hang zur Konkurrenz zu widersetzen. Menschen, die es aufgrund ihrer Kindheit oder ihrer Umgebung nicht nötig gehabt haben, mit anderen ernsthaft zu konkurrieren, werden diejenigen sein, die es auch den Rest ihres Lebens nicht tun. Sport und Spiel sei natürlich eine Ausnahme. Ich denke, es gibt andere Methoden, als Aufrufe zur Weisheit. Nämlich Aufklärung – hier nicht zu verwechseln mit dem historischen Begriff, Bildung und die weltweite, bedingungslose Möglichkeit, an Informationen heranzukommen.

Die GPL und die gesamte Free-Software Bewegung ist der erste, richtige Schritt in diese Richtung.


ins Englische zurückübersetze Antwort/English Answer:


I agree, that, under the actual cultural perspective, it seems awkward to rely the support of Goods and Things that we want or need as a human on a fully automated, techical Computer System. I also don' t think, that there ever will be a society at all, where this global, centralized, Computer system is established. But i do not agree at your Critic of the technical possibilty to create such an system. Today, it is the „Market“, the Principle of Supply an Demand which controls, which sorts of candy bars are being produced and delivered to the consumer. It would also easily be possible to replace this Princple with an global Database that every Person on the Planet could access (access to the Internet could be a human Right!). The consumer could place his wish about the candy bar he demands. This Data would be collected and evaluated statistically, and depending on the per-Day demand the Machine decides how much of which Resource would be used in the Production line. It could automagically rely on the Demand, the Season and the temper of the people. It would be possible to automate this procedure on a daily or even hourly basis.

Furthermore, it seems like you have not read the Text very detailed. The scientific these, that there is a human spirit, that lies in the Humans, and that depends on a genetic or random factor, is a Myth and not True. It is mostly the environment that's responsible to how a person develops his social Skills and that develops his Character. You can nearly fully neglect the amount of Intrinsics or Instinct that lies in the human Spirit and that leads to Violence or Theft, cause in an Utopian World, like dreamed from the Zeitgeist Movement there would be no Property and thereof nothing to Steal or to waste your Violence on. Now on to your Perspective, that every Human strives to a competitional behaviour. There are possibilities, like Sport or a Game, where this behaviour is wanted. But it is the monetary economical System that forces us to be competiotonal even in serious issues in life. It is about to vanquish this old, outmoded, embarassing Institution, and that's what the ZM stands for.
At Last – is not only wise People, who are able to opt out of this competetive strive. People, who did not had the NEED to act competetive because of their childhood or their environment will be that ones, that don' t do it for the rest of their lives. Of course, the Game and Sport are exceptions. I think, there are better Instruments than Wisdom. It is reconnaisance – not the historical Term, but the Teaching one. I mean the unconditional possibilty to gather Informations all over the World.

The GPL and the whole Free Software Movement is the first, right Step towards this Direction.


Endlich konnte ich mal die Labels Philosophie und Tech in einem Beitrag verwenden... :)

physische Ökonomie

Wie der Kabarettist und Freidenker Andreas Clauss in einer seiner neusten rhetorisch einwandfreien Reden darstellt, wird wohl eine Form der globalen, physischen Ökonomie übrig bleiben, nachdem der Jahrtausendelange Machtkampf, der auf der Basis der Erfindung des Abstraktums Geld stattgefunden hat und stattfindet, vollendet ist. Die von der von Deutschlands Bürgern demokratisch gewählten Liberalisierungswelle (die in der kommenden Legislaturperiode durchgesetzt wird) stattfindende Zensur des Internets wird zwar einen großen Teil dazu beitragen, die Machtstrukturen noch viele Jahre, vielleicht noch einige Generationen aufrecht zu erhalten - aber selbst wenn der neoliberale Ökonomiegedanke sich in diesen Jahren in Perfektion realisieren würde, wäre dank des allgemeinen Wohlstands und des Überflüsses an akkumulierten Kapital jegliche Machtstruktur irrelevant geworden.

Ökonomie macht nämlich nur da Sinn, wo Knappheit herrscht - wo Knappheit fehlt, wird sie (wie momentan) künstlich erzeugt, um ökonomische Prinzipien wie das monetäre System zu legitimieren. Das kapitalistische Prinzip eignet sich hervorragend, um solche Knappheiten zu erzeugen; so stellt sich die Knappheit bei finanztheoretischer Analyse als Marktimmanent dar, da nur der gemeinsame Konsens sämtlicher Marktteilnehmer den Wert von Fortschritt bestimmt.

Bei allen sozialen Engpässen, die in den letzten Jahren auftreten, ist zu beobachten, dass der globale, liberale Geist, der den Marktwirtschaften auferliegt, nicht lügt - sondern die Allokation von Kapital auf globaler Ebene mit allen partizipierenden Märkten nach Regel verläuft. Aktuelle Zivilisationsprobleme wie die "technological Unemployment", also die Lockerung/Vernichtung des Prinzips, dass in der Volksschicht das Einkommen per Arbeit generiert wird, da Technologie die Arbeit überflüssig macht, sind in liberalen Betrachtungen schliesslich noch nicht vorhanden, und werden zwangsläufig kurzfristig das theoretische Gedankengut aktualisieren müssen.

Zivilisationssimulation

In einem vor kurzem veröffentlichtem Artikel auf Slashdot wird die Frage gestellt, nach welchen Kriterien die Hemmschwelle für die Nachbildung realer militärischer Konflikte in Computerspielen sinkt. Als Hauptkriterium wird der zeitliche Abstand zwischen dem realen Ereignis und der Veröffentlichung des Spiels genannt. Ich denke, die politische Verdaulichkeit eines Ereignisses wird in der Praxis mit dem Marktinteresse des Produkts abgewogen; der Unterhaltungs-Actionfilm zu den Terroranschlägen in New York lief bspw. bereits 5 Jahre nach dem Akt; vom ersten und zweiten Weltkrieg ist der Video,- und Videospiele-Markt nur so überschwemmt. Ausserdem eignen sich solche Medien hervorragend zur Indoktrination politischer Werte.

Als ich kleiner war, spielte ich gerne das zu seiner Zeit geniale Spiel Colonization von Sid Meier. Dieses Spielprinzip öffnete ein ganzes Genre von Zivilisationsspielen, in denen der Spieler das Schicksal seines Volkes von dem Beginn menschlicher Kultur bis weit in die Zukunft hinaus bestimmen kann. Seit Civilization II auch kompetetiv gegen andere Mitspieler, oder kooperativ mit andren Spielern gegen den Computer, oder andere Spieler. Die Schemata, nach denen die Spielregeln aufgebaut sind, gleichen dabei realen politischen Vorgehensweisen. Die Höhe der Steuern z.B. beeinflussen die Glücklichkeit des Volkes; ist der soziale Stand irgendwann zu lange gedrückt, kommt es zu sozialen Aufruhen oder Revolutionen. Missionare versuchen, das "andere" Volk theologisch zu missionieren, Diplomaten, es politisch oder wirtschaftlich zu okkupieren, und, je nach Epoche, in der man sich befindet, durch Krieger, Soldaten oder Kriegsmaschinerie militärisch zu erobern. Die Vorgehensweise bestimmt dabei der Spieler, ganz wie in der Realität.

Obwohl in den meisten Implementationen dieses Spiel-Genres reale Vorgehensweisen wie das Foltern von Kriegsgefangenen aus Laune oder zur Informationsbeschaffung, oder das aushungern von Volksschichten durch Resourcenvorenthaltung fehlen, kann man mit diesen Spielen entweder völlig fiktive Geschichtsverläufe nachspielen, mit Szenarien, bei denen bspw. die Azteken auf europäischen Boden gegen Amerikaner gewinnen, man kann etwas realistischer werden und schauen, was hätte passieren können, hätten die Deutschen den zweiten Weltkrieg gewonnen, oder aber versuchen, die reale politische, wirtschaftliche und technologische Situation auf der Erde, wie sie sich momentan darstellt, möglicht präzise Nachzubilden.

Eine öffentliche ethische Diskussion über solche Spiele hat es nie gegeben. Ich denke, das liegt teilweise am Mangel an Massenpopularität des Genres, aber hauptsächlich daran, dass das Detail des Kriegsgeschehnisses versteckt bleibt, und damit die Obszönität aussen vor bleibt. Ob ich ein Bogenschützen-Symbol auf ein Dorf-Symbol ziehe, um einen Angriff zu befehlen, oder in realitätsgetreuen 3d-Shootern detailliert dargestellte feindliche Soldaten erschiesse, scheint psychologisch einen großen Unterscheid zu machen.

Solche Simulationen demonstrieren aber meine ohnehin seit längerem gefestigte Ansicht, dass solche Denkkategorien, in denen Völker und Nationen vorkommen, die höher potenzierte natürliich-instinktive Vernunft wiederspiegelt, die die Natur jedem Sozialwesen als Instrument an die Hand gibt, um biologische Entwicklung durch Konkurrenz voranzutreiben.

Die Überwindung dieser Instrumente ist zwar spätestens seit Marx theoretisch durchdacht, von den tatsächlichen Früchten dieser Überwinduungs ist, bis auf wenigen Theoretikern, aber nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil, die etablierte Politik macht eine Statur, die aussieht, als würde sie da Schicksal der Menschheit eher noch ins Verderben rücken, bevor sie die Auflockerung klassisch-politischer Schemata zulässt. Ich hoffe, ich werde es mitbeobachten können, wie die Übergangsphase sich in den nächsten Jahrzehnten vollzieht, und Spiele wie Civilization dem Museum angehören.

Privatsphärenparadigma

Nicht nur stand mein Kiefer für viele Sekunden offen, auch mein Blick war versteinert, als ich folgendes bei der Registrierung eines Facebook-Account gelesen habe:
Finde Freunde mithilfe deines E-Mail-Kontos
Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste und effektivste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden.
Ganz harmlos blinkte mich der Cursor der Passwort-Zeile an. Ich solle doch bitte das Kennwort zu meinem Postfach angeben - denn:
Wir speichern dein Passwort nicht und kontaktieren auch niemanden ohne deine Erlaubnis.
An unkommentierenswerter Ironie toppte nur noch diese Facebook-Funktion obige Farce:
Finde Personen, denen du Instant Messages sendest
Erschrocken suchte ich die Funktion, die meinen soeben erstellten Account wieder löscht. Vergebens suchte ich - die einzige Möglichkeit ist es, mein Konto zu "deaktivieren". Ich frag mich, wie Facebook das rechtlich legitimiert.

Interessant wird es, das in KDE 4.3 kommende Social Network Plasma Applet auf Privatsphäreneinstellungen und Sicherheitslücken zu überprüfen.

Skatevideo: Oschatz

Skateboardfahren mit Flitzer Maschke, Zylka und Seb, Footage hauptsächlich aus Oschatz, teilweise Paris dabei.

Leider hab ich zu wenig Material von Seb und Zylka gehabt, so das am meisten von mir zu sehen ist :-(

Es war der April 2008, in dem ich mein zweites Frühlingsskatefoto veröffentlichte, und es ist nun mitten im April 2009, an dem ich das diesjährige präsentiere. Es ist der Skatepark in Markkleeberg bei Leipzig, der Trick ein Backside 5-0 Crail Grab, fotografiert von Seb:

Im Herbst folgt das nächste.

der Angelsächsische und der Kontinentaleuropäische Kapitalismus

Eine der Möglichkeiten, die die anarchistisch angehauchte Plattform des Internets bietet, ist die Möglichkeit zu unabhängigen, autonomen Berichterstattungen und Analysen . Blogs bieten dazu eine gute Möglichkeit, und Herberts Weltbild war lange Zeit das Medium meiner alternativen, systemunkonformen Perspektiven und philosophischen Gedanken. Die politischen Beiträge sind in letzter Zeit sehr kurz gekommen, dafür möchte ich nun einen Nachliefern, natürlich wie gewohnt politiktheoretisch.

Nach Alfred Chandler, dessen Erfolg in der wissenschaftlichen Ökonomie mit seiner kühnen, interpretationsfreien Art erklärt werden kann, gibt es aus der Vielzahl an Varianten kapitalistischer Wirtschaftsform zwei fundamentale Gegenpole, die sich aus der Fülle an Systemen herauskristallisieren. Er nennt diese, benannt nach dem territorialen Gebiet, auf dem diese Systeme bisher praktiziert wurden, angelsächsischer und kontinentaleuropäischer Kapitalismus. Sie "wurden" praktiziert, da in Europa die Annäherung an das angelsächsische System faktisch vollzogen ist, und nur noch die Sozialsysteme einiger weniger Länder Europas aufgrund der Tradition noch daran gehindert werden, US-Standard anzunehmen.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die in meinen Augen wichtigen Unterschiede dieser fundamentalen Pole einmal tabellarisch zusammenzufassen:

Angelsächsischer
Kapitalismus
Kontinentaleuropäischer
Kapitalismus
Kompetetiv
Zentrale Steuerung
konsequente Monopolbildung
Lobbyinteressen stehen im Vordergrund
Kooperativ
Dezentrale Steuerung
gesunder und liquider Mittelstand
Realwirtschaftliche Ökonomie steht im Vordergrund


Durch International geduldeter Interventionsgesetze, die meisten davon von den USA geprägt, ist die Nation/Region/Kommune nicht mehr Autark, sondern vom globalen Handel abhängig. Dieses Ziel, dass mindestens in den letzten zwanzig Jahren Schrittweise erarbeitet wurde, dürfte mittlerweile, wie der interkontinentale Einfluss der Finanzkrise zeigt, beweist.

Wie ich schon seit bestimmt einem halben Jahr versprochen habe, bekommen Beiträge dieser Form nun ein neues Label Ökonomie .

Übersetzung des ZAM

Da ich nicht der einzige war, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Zeitgeist Activist Manual auf Deutsch zu übersetzen, verweise ich nun auf unser Übersetzungwiki, anstatt hier den Alleingang durchzuführen.

die Kunst des Open Source Evangelium

Simon Phipps hat, auch wenn er von Sun vereinnahmt wurde, Kreativität und Stil:

das Bedingungslose Grundeinkommen erschafft (k)ein Schlaraffenland (?)

Die ursprüngliche Definition des Schlaraffenlandes, in der es als ein "Ort der Faulheit, des Überflusses und des exzessiven Konsums" dargestellt wird, verfälscht einen fundamentalen Aspekt des menschlichen Bildes. Sind die Konstanten Faulheit und Überfluss gegeben, muss daraus nämlich nicht natürlich/zwangsläufig der (exzessive) Konsum folgen. Würden die menschlichen psychologischen Charakteristika des Geizes, der Profitgier und der Konkurrenz untereinander nicht als eine Ursache für das Entstehen aristokratischer, monetärer, kapitalistischer und elitärer Systeme, die es blockieren, daß die Utopie einer vernünftigen, nachhaltigen Ökologie realisiert werden würde, sein, wäre der Überfluss, inklusive der Verteilung, an seinsnotwendigen Resourcen, wie Obdach, Nahrung, Kleidung oder, in nächster Potenz, Kultur für soweit alle Menschen nämlich gegeben. Unter dieser Ökonomisch neuen Perspektive ist es also angebracht, das Bild des Menschens zu korrigieren.

Dass die Konstante des (exzessiven) Konsums im derzeitigen kollektiven Menschenbild aus dem durch das dem Industriezeitalter folgende Informationszeitalter synthetisch produziert wird, ist das Ergebnis dieses interessanten, gelungenen Projekts seitens des Geistes der Epoche, ist aber nicht mehr notwendig. Die Industrie schaffte die materiellen Vorraussetzungen, den konsumierenden Menschen mitsamt seiner gesellschaftlich/ökonomischen Garderobe systematisch massenhaft zu erzeugen. Das weitaus feinere, folgende Zeitalter der Informationsverarbeitung hat nun zwei Effekte verursacht. Erstens wurde, logischerweise, das frühere Zeitalter reflektiert, und die ethisch/soziale Wertetafel, die das Zeitalter herausbrachte, konnte das erste mal öffentlich kritisiert werden. Sodann eröffnete dann zweitens diese Kritik die Horizonte für ausschweifende Utopien, wie zukünftige Generationen sozial interagieren werden.

Es wird hier deutlich, daß das epochenübergreifende christliche, islamistische, jüdische, buddhistische, oder auch fast allen anderen Religionen anhaftende Ziel der globalen Ökumene in seinem ersten Anlauf mit dem Industriezeitalter impulsant, und mit viel Wut, Schmerz, Krieg und Zerstörung, Diskriminierung und Klassensystemen gescheitert ist. Die nun auf diesen Trümmern aufbauenden und folgenden Theorien, wie es weitergehen soll, um nur die philosophische Figur Zarathustra von Friedrich Nietzsche, die amerikanische Zeitgeist-Bewegung oder Oekonux zu nennen, können nur infolge der Reflektion und dem Paradigmenwechsel des Informationszeitalters im Angebot stehen *1.

Dass der deutsche Bundestag die nun populär (1, 2, und 3) werdende Petition für das Bedingungslose Grundeinkommen von Susanne Wiest mit einer üblich guten Rhetorik ablehnen wird, ist die eine Seite der Medaille. Das der Konsummensch per Definition nicht für das Schlaraffenland bestimmt ist, da jegliche autonome Verhaltensweisen oder Selbstdefinierungsfähigkeiten fehlen, ist die andere Seite, die dieses übrigens schon seit über hundert Jahren bestehende theoretische Konzept scheitern lassen wird.

*1 Dass der Zarathustra weitaus früher erschien, als das Informationszeitalter auch nur in Sichtweite lag, liegt nur an der Genialität des Autors. Wie es aussieht, gibt dieses Werk auch für die folgenden Epochen eine Vorschau.

Die Verneinung des Willens zum Leben ist ein Seinsbruch

Ich möchte in diesem Essay erklären, warum ich der Meinung bin, dass Schopenhauers Konzeption des menschlichen Willens als intelligible Triebkraft eine passende Teilrolle in der philosophischen Strömung des Existenzialismus hat. Die Kernaussagen der Existenzphilosophie nehmen eine kompatible und erläuternde Stelle neben der Frage nach der besten Interpretation von Psychoanalysen, die, aufgrund ihrem intelligiblen Inhalt, meist höchst spekulative und experimentelle Lösungen liefern.

In der Entwicklungzeit von primitiver Willensspekulation zur wissenschaftlichen Disziplin der Psychoanalyse, so gilt es, gibt es einen entscheidenden Zwischenschritt, nämlich das Hauptwerk von Eduard von Hartmann, "Philosophie des Unbewußten". Zwar ist in dieser Schrift von einer völlig ungehaltenen und überholten Synthese von intelligiblen Willen und hegelscher Logik die Rede, die das Werk philosophisch wertlos macht, aber chronologisch stellt es ein angeblich wichtiges Überbrückungsglied dar, dass die Psychoanalyse hat wachsen lassen können.

In dem Vorwort zur zehnten Auflage des Werkes distanziert sich Hartmann radikal von Schopenhauers "vertretenen subjectiven Idealismus in der Erkenntnistheorie, seines abstracten Monismus in der Metaphysik, seines abstracten Idealismus in der Aesthetik, seiner ungeschichtlichen Weltanschauung, seiner schwankenden und widerspruchsvollen Stellungnahme zur Teleologie, seiner Lehren vom intelligiblen Charakter, von der transcendentalen Freiheit und von der Unveränderlichkeit des Charakters, seiner exoterischen Mitleidsmoral und seiner esoterischen Moral der individuellen Willensverneinung durch Quietismus und Askese, seiner einseitigen und ausschliesslichen Bestimmung des Weltwesens als Wille, und seiner Bevorzugung des quietistisch-asketischen Inderthums und Urchristenthums vor dem weltthätigen Protestantismus.". Zwar kritisiert und beschimpft er hier die systemischen, undynamischen Ansätze der Welt als Wille und Vorstellung, aber er zeigt hier deutlich, dass das von ihm geschriebene Werk sich mehr von den prä-psychoanalytischen philosophischen experimenten Schopenhauers distanziert, als diese gefördert hat.

Durch den fragwürdigen sensationellen Erfolg des Werkes, dass zwar Schopenhauers Philosophie in streng verzerrter Form popularisierte, danach jedoch schnell wieder in Vergessenheit geriet, scheint die Naturwissenschaft "Psychoanalyse" also nicht geboren worden zu sein.

Betrachtet man aus rein populärer Perspektive zusätzlich die immense und wichtige wissenschaftlich/philosophische Arbeit Freud´s, der zwar beide Philosophen gekannt hat, aber stets betonte, nicht von ihnen abgeschrieben zu haben, so ist die psychoanalytische Disziplin in ihren eigenen Rahmenbedingungen vollendet. Die gemeinsamen, unabhängigen Entdeckungen beider Philosophen haben eine erstaunliche Treffsicherheit. Aber erst eine interdisziplinäre Betrachtungsweise kann nun zu neuen Erkenntnissen führen.

In einem ontologischem System ist die Frage nach den Beziehungen des Subjekts (hier nach schopenhauerischer Definition: "Das Subjekt ist das, was alles erkennt und von keinem erkannt wird") zum Ego (als Sammelbegriff für alles psychologisch-persönliche, der Erinnerung und dem damit verbundenen) ein Fundamentalproblem. In der französischen Existenzialismusbewegung wird das Bewusstsein mit dem Subjekt gleichgesetzt, und die Beziehung des Bewusstseins zum Ego untersucht. Im Unterschied zu den monistischen primitiven Vorphilosophien wird die Möglichkeit des Bewusstseins aber implizit immer zwingend als Bruch mit dem Seienden erklärt, während früher noch die Rede von einem Sein, auf dessen Basis sich die Subjekte/Bewusstseine tummeln, war.

Dieser Bruch stellt eine wichtige konzeptuale Veränderung dar, da die logischen Gesetze der einen Seinsregion nicht für die andere gelten müssen, und viele als paradox oder unerklärlich geltenden phänomenalen Betrachtungen der Frühphilosophie dadurch erklärt werden können.

Das Gefühl des eigenen Willens, das jeder Mensch unmittelbar in seiner Beziehung zur Welt erfährt, ist die Triebfeder jeder bewussten und unbewussten Aktion. Das doppelseitige zusammentreffen zweier egoistischer Subjekte, also zweier Willenszentren, lässt jede Konfrontation aufgrund dem Bestreben, zu seinen eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen hinzuarbeiten, zu einem Konflikt werden. Herrschafts,- und Machtgebilde spiegeln diese ontologisch/metaphysische Analyse konkret anschaulich wieder.

Während Nietzsche z.B. dieses ontologische Schauspiel als gut pries, also den Willen, der bei ihm der Wille zur Macht hiess, "bejahte", sah Schopenhauer, wie auch Freud, das gesamte Phänomen des menschlichen, tierischen, pflanzlichen und gar mineralogischen Lebens als Pessimistisches, Sinnloses Treiben.

Durch eine von Schopenhauer im dritten Teil seines Hauptwerkes beschriebene Methode der Introspektion ist es dem Subjekt möglich, aus dem Principio Individuationis zu entkommen, und ein Leben ausserhalb dieser determinierenden Strukturen zu ermöglichen. Dieser Gedanke Schopenhauers deckt sich mit der Analyse existenzphilosophischer Bemühungen, die herausfand, dass jene durch den Intellekt hervorgerufene Seinsregion jedes Subjekts, das Für-Sich, ein potenzielles Verneinen des Willens implizit in sich trägt. In dieser Terminologie ist es die Freiheit des Menschens, die ein jedes Subjekt per Seinsweise ist.

Ich hoffe, gezeigt haben zu können, dass Schopenhauers erkenntnistheoretischer Einfluss nicht nur in der Psychoanalyse, sondern auch in der modernen Philosophie zu finden ist. Seine Entlarvung des Intellekts als Determiniertes, und dem, was dem Menschen als Willen unmittelbar zugänglich ist, als Determinierendes ist eine wichtige Basis für moderne philosophische Systeme, wie auch für psychoanalytische Wissenschaften.

UNIX-Timestamp

Jon Hall berichtet auf slashdot, dass der UNIX-Timespamp am Freitag, dem 13. Februar 2009 um 11:31:30pm UTC (00:31:30 MET, am Folgetag in Deutschland) den Wert 1,234,567,890 erreicht. Bin gespannt, zu welcher Zeit ein ext4-Timestamp, der in millisekunden gemessen wird, diesen Wert erreichen wird, und was 2038 passiert, wenn der Integer-Wert überläuft. Wären wir bis dahin nicht alle auf 64 bit umgesiedelt, würde hier das wahre Jahr 2000-Problem auftauchen. Zum Glück reicht es mit 64 bit bis zum Kollaps unseres Sonnensystems, wie Jon Hall ebenfalls berichtet.

perl -e 'print scalar localtime(1234567890),"\n";' #oder einfach so:
date -d @1234567890
Sat Feb 14 00:31:30 2009

das Wesen der Revolution Teil 2 [Asien]

Revolutionen im europäischen und amerikanischen Kontinent sind uninteressant und langweilig. Ganz im Gegensatz zu der Geschichte, die Asien zu bieten hat. Dieses extrem aufwendige und komplexe Thema ist für mich noch sehr neu, deswegen bitte ich in diesem Blogeintrag mehr als sonst, meinen Text nicht ohne Kontrolle hinzunehmen.

Chinas diktatorisch-kommunistisches Regime geht mit einer für westliche Verhältnisse verständnis -und maßlosen Moral mit Revolutionsherden in ihrem Staat um. Das hat, meiner Meinung nach, nicht zwangsläufig etwas mit den Schubladenkategorien "diktatorisch" und "kommunistisch" zu tun, wie Kommunismusgegner sich gerne wünschen, sondern liegt primär an der Geschichte dieser Nation. Dann, zweitens, scheint das in Teil 1 dieser Serie für das Wesen der Revolution behauptete Merkmal, das eine Revolution immer im kontrollierten Rahmen abläuft, unter anderem aufgrund dem religiösem Hintergrund der meist chinesischen Gruppierungen, bei denen eine Anzahl von 150.000 gläubigen Partizipanten keine Seltenheit ist, sowie dem Mangel an wirksamen Besänftigungsmethoden für das Volk auf dem asiatischen Kontinent nicht zuzutreffen. Amerika und Europa versteht es besser, sein Volk mit süßen Bonbons ruhig zu stellen.

Das historisch wahrscheinlich am lückenhaftesten erhaltene Ereignis war die Bewegung der "gelben Turbane". Eigentlich zu alt, um mit heutigen Revolutionsszenarien verglichen zu werden, zeigt sich trotzdem immerhin die Parallele, das hier die Ursache für das selbstständige Tätigwerden einer Volksgruppe zum größten Teil finanziell begründet liegt. Ähnlich der französischen Revolution war es letztendlich die Kombination von perversen Machtstrukturen und einer Naturgewalt, die den Startschuss für Unruhen gaben. Diese Revolution scheiterte anschliessend sogar offiziell.

Der erste erfolgreiche Sturz einer Dynastie durch eine Revolution, nämlich die der Yuan-Dynastie, etwa in den Jahren 1356 bis 1368, durch die roten Turbane war die zur damaligen Zeit größte Bewegung. Nur durch einen immensen religiösen Fanatismus konnte eine solche Militärgewalt aufgebaut werden, um ihre sozialreligiösen Interessen durchzusetzen.

Der nächste Aufstand, den ich in der Geschichte der Revolutionen in Asien finden konnte, war auch zugleich der zahlenmäßig Opferlastigste. Es war der Taiping-Aufstand, der den nächsten Dynastien-Wechsel einleitete. Die hohe Opferzahl könnte man mit dem hohen Grad an theologischem Einfluss in diesem Konflikt erklären, aber auch hier zeigt sich die Kombination von Natureinflüssen und einer darauf folgenden Bewegung der Massen.

Ignoriert man aktuell stattfindende Revolutionen wie beispielsweise die der Falun Gong-Geistigen (bei der man die rohe barbarische Gewalt, mit der, in diesem Fall China, gegen diese Menschen vorgeht, zeit- und hautnah zur Betrachtung aus seinem Vergnügungsapparat bekommt), so ist es wahrscheinlich der Boxeraufstand, der als letzte gescheiterte Revolution gelten darf. Hier waren die Bemühungen nicht auf die Ökonomie und Politik des eigenen Landes gerichtet, sondern gegen die, die auf der anderen Seite der Welt herrschen. Diese Eigenschaft lässt diesen Aufstand auch direkt in der Wirkungslosigkeit verpuffen.

In Anbetracht der Zukunftsprognosen, die man von diesem Kontinent hört, scheint die unilaterale Ausbreitung des westlich-kapitalistischem Kulturmodells maßlos über dieses Gebiet Herr zu werden. Folgt also nicht erneut ein natürlich-ökologischer Anstoß, so scheint es, als würden Revolutionsdenker ihre Energien weiterhin in dem ihr zulässigem Rahmen verschwenden. Eine Anpassung an dem uns bekannten Umgang wäre langfristig zu erwarten.

Auf der Suche nach einem wirksamen Organismus für die Veränderung etabliert-traditioneller Funktionsmethoden enttäuscht mich also auch dieser Kontinent. Aber die Suche geht weiter...